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Kurfürst August von Sachsen  

- geboren vor 500 Jahren am 31.07.1526 –

von Olaf Knoll

 

August I., Lucas Cranach d. J.August I., Lucas Cranach d. J.Als zweitgeborenes Kind seiner Eltern Heinrich und Katharina wird August im Schloss Freudenstein in Freiberg am 31. Juli 1526 als ihr letztes Kind geboren, da war sein Bruder Moritz bereits fünf Jahre alt.
Kein geringerer als der damals bekannte Humanist und Rektor der Freiberger Stadtschule Johann Rivius unterrichtete August im zarten Alter von zehn Jahren in Religion, Geschichte und Latein. In den Jahren 1540/41 befand er sich gemeinsam mit Rivius und seinem Erzieher Graf von Mansfeld in Leipzig an der Universität (1) (siehe Abbildung 1).
Nach dem Ableben seines Vaters Heinrich war testamentarisch entgegen der Verordnung des Stammvaters Albrechts von 1485 festgelegt worden: „daß alle Fürstenthum,  Herrschaften,  Lande  und Leute,  so wie  Barschaft,  Kleider,  Pferde,  Harnisch,  Geschütz  .und  Artollerei an  seine  beiden  Söhne,  Moritz und August, kommen sollen“ (3).

Da sich Moritz bei  seiner Amtsübernahme  ausdrücklich  auf das Testament seines Großvaters Albrecht bezog, blieb die Erbfolge zu Gunsten des Erstgeborenen bestehen.
Ab Juni 1542 finden wir August für ein Jahr am kaiserlichen Hof in Wien, später geht er auch nach Prag, dies entsprang dem Bedürfnis seines Bruders, der sich entschlossen hatte auf Wunsch König Ferdinands gegen die Türken zu ziehen, um sich so dem kaiserlichen Haus mehr anzunähern. Ferdinand erklärte sich bereit, August zur Ausbildung an seinen Hof zu nehmen, um „ihn zu fürstlichen guten Sitten und Tugenden weisen zu lassen“ wie es im Brief von Ferdinand vom 04. September 1542 heißt. Die Aufnahme Augusts an den Hof Ferdinands war somit auch Ausdruck der Verbundenheit den Habsburgern gegenüber, die Moritz und seinen Räten wünschenswert erschien (2). 
In jener Zeit entsteht ein freundliches Verhältnis zu Maximilian, dem jungen Habsburger. Dieses besonders gute Verhältnis diente August nach 1570 bei seiner kurfürstlichen Territorialpolitik.
Nach seiner Rückkehr aus Prag 1543 wurde er von seinem Bruder zum Administrator des Bistums Merseburg ernannt, da Moritz verpflichtet war, für August eine wirtschaftliche Grundlage zu schaffen. Ab 1544 wurden ihm weitere Einkünfte der Ämter Freiburg, Sangerhausen, Weißensee, Sachsenburg sowie einiger Thüringer Städte und ehemaliger Klöster überwiesen. Da der junge Herzog das Bistum Merseburg wirtschaftlich schlecht verwaltete und nicht unerhebliche Schulden anhäufte, gab er seine Hofhaltung in Merseburg auf und begab sich zurück an den Dresdener Hof. Zu Beginn des Schmalkaldischen Krieges 1546 beauftragte Moritz seinen Bruder, die begonnenen Befestigungsarbeiten in Dresden schneller weiterzuführen. Nun finden wir oft August an der Seite seines Bruders, er begleitet ihn auch bei dessen Kriegszügen, so führt er ein beachtliches Truppenkontingent von 2.200 Reitern und 8.800 Söldnern im Schmalkaldischen Krieg gegen Thüringen, dass er besetzte. Im Ergebnis der Schlacht von Mühlberg am 24. April 1547 wurde Moritz anlässlich des 49. Geburtstages Kaiser Karl V. am 24. Februar 1548 beim Reichstag in Augsburg feierlich mit der Kur Wittenberg sowie weiterer Würden und Länder belehnt. Die Weitsicht von Moritz veranlasste ihn, seinen Bruder August gleich in die Belehnung mit einzubeziehen.

Bereits 1540, August war noch keine vierzehn Jahre alt, hatten seine Eltern Heinrich und Katharina eine Verabredung mit dem Kurfürsten Joachim von Brandenburg getroffen, ihn mit seiner Tochter, der dreijährigen Elisabeth Magdalena von Brandenburg, zu verloben, „das eheliche Beilager sollte stattfinden, wenn die Braut das sechzehnte Jahr erreicht, vorausgesetzt, daß beide vorläufig Verlobte die Ehestiftung belieben und ratificieren würden“, die Ehe kam aber nicht zu Stande (3). 
König Christian III. von Dänemark und seine Gemahlin Dorothea von Sachsen Lauenburg haben ihre Tochter Anna in richtig deutscher einfacher Häuslichkeit, frommen Sinnes und reger Tätigkeit erzogen. Da der Bruder der Königin Dorothea, Herzog Franz von Lauenburg mit der Schwester Augusts Sibylla verheiratet war, wurde August mit Anna von Dänemark bekannt, die im Jahr 1548 sechzehn Jahre alt, „zu einer Blüthe von seltener Schönheit sich entwickelt hatte. Reiches blondes Haar, edle milde Züge mit dem Ausdruck reiner selbstloser Herzensgüte, blaue Augen, eine schlanke und doch füllreiche Gestalt, so wird sie uns in den Portraits dargestellt, die sich von ihr erhalten haben“ (3) (siehe Abb. 2).

Anna von Dänemark, CranachAnna von Dänemark, CranachAm 11. März 1548 im Schloss der Süddänischen Hafenstadt Koldingen fand die Verlobung statt, bereits sieben Monate später erfolgte die Vermählung, die am 07. Oktober 1548 in Torgau stattfand.  Da Moritz an der Verbindung seines Bruders mit dem dänischen Königshaus sehr gelegen war, unterstützte er die Verehelichung mit der Königs-tochter Anna ausdrücklich. Vom Reichstag in Augsburg schrieb Moritz an seinen Bruder sehr erfreut: „er habe aus den Nachrichten so viel vermerkt, daß die Sache zu glücklichem und schlüßlichem Ende gereicht, und daß Herzog August ein schön tugendreiches Fräulein bekommen, welches wir, … (uns) erfreuet und gönnens euer Liebe brüderlich freundlich“. Diese Freude veranlasste Moritz sicherlich, die Hochzeitsfeier im Torgauer Schloss zu einer unvergesslichen   Festlichkeit werden zu lassen, die durch keine andere am Hofe des Kurfürsten in seiner zwölfjährigen Regierungszeit heran-reichte und dergleichen soll noch kein Fürst von Sachsen je erlebt haben (4).

August war kein beständiger Ehemann, zwar hing er mit einer herzlichen Liebe  an seiner Frau,  ergeben  mit wahrer unverletzlicher Treue, neigte aber häufig zu einem aufbrausenden Wesen und ließ sich in seinem Zorn zu Handlungen und bösen Worten hinreißen, die er später, wenn er wieder zur Besinnung gekommen war, zutiefst bereute. Gelegentlich soll er auch die Hand gegen seine Frau erhoben haben.  Anna, die in den fremden Verhältnissen, fern ihrer Heimat klarkommen   musste, erfüllte   aber die Pflichten einer treuen liebenden Gattin mit voller Hingabe. Versorgungsverträge sollten die Einkünfte Augusts nach seiner Hochzeit sichern, allerdings verschlang seine Hofhaltung in Weißenfels und Wolkenstein sehr viel Geld, diese erheblichen Differenzen hatten politische Auswirkungen zur Folge, die die ernestinisch gesinnte Ritterschaft 1550 veranlasste, Moritz des Landes verweisen zu wollen und dafür an seiner Stelle August zu setzen. Selbst August nahm hierzu eine eher widersprüchliche Haltung ein, über die man in späterer Zeit urteilte: „man hielt August für ehrgeizig und zugleich für gewissenlos genug, daß er die Absicht hegen könne, im Einverständnis mit den Ernestinern seinem Bruder Kursachsen zu entreißen und es mit jenen zu teilen“ (5).   
Die Nachricht des unerwarteten plötzlichen Todes seines Bruders nach der Schlacht von Sievershausen am 11. Juli 1553 erreichte ihn bei seinem Schwiegervater Christian III. von Dänemark – Ziel der Reise war es, für Moritz‘ Politik zu werben. Nach Erhalt der Nachricht, begab sich August auf den Weg zurück nach Wittenberg, wo er am 08. August 1553 eintraf. Der Tod seines Bruders hinterließ eine äußerst schwierige innen- und außenpolitische Situation in dem erst sechs Jahre existierenden Kurfürstentum. Markgraf Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, genannt Alcibiades, bedrohte weiterhin Kursachsen und der „gewesene“ Kurfürst Johann Friedrich forderte die verloren gegangene Kur und ihre früheren Besitzungen zurück. So musste August anlässlich seines ersten Landtages, den er am 21. August in Leipzig abhielt, zur Verteidigung seines kursächsischen Landes die finanziellen Mittel zur Weiterführung des Krieges gegen Alcibiades beantragen. Hierfür wurden ihm monatlich 64.000,- Gulden bewilligt. Diese zusätzliche Last wog schon deshalb so schwer, weil Moritz ungeheure Schulden hinterlassen hatte. Nun musste August darangehen, die drei wichtigsten innen- und außenpolitischen Probleme dauerhaft zu lösen: mit Alcibiades einen Friedensschluss zu erreichen, mit den Ernestinern eine verbindliche Vereinbarung zur Umsetzung der Wittenberger Kapitulation zu erzielen sowie die Religionsfrage auf Grundlage des Passauer Vertrages reichsrechtlich zu regeln.
Nach kurzen Verhandlungen unter Vermittlung von Brandenburg und Dänemark konnte mit Markgraf Alcibiades die „Aufhebung aller Feindseligkeiten“ am 11. September 1553 vereinbart werden (1).

Das zweite Problem, die Assekurationsverhandlungen mit den Ernestinern, konnte August nach Erreichen des Friedens nun in Angriff nehmen. Zwar hatte Moritz bereits am 26. Juni 1547 Verhandlungen geführt, die aber im Streit endeten, da die Ernestiner ein höheres Einkommen, weitere Ämter, Städte und Dörfer forderten. So musste August die Verhandlungen mit den Ernestinern erneut aufnehmen, die unter Vermittlung des dänischen Königs zu einer Einigung der Albertiner und Ernestiner am 24. Februar 1554 führten, Johann Friedrich der Großmütige unterschieb den Naumburger Vertrag am 02. März 1554. Einen Tag später verstarb er. Erst der Naumburger Vertrag regelte endgültig die Bestimmungen der Wittenberger Kapitulation mit der Gegenzeichnung König Ferdinand von Böhmen, König  Cristian III. von Dänemark, Kurfürst Joachim von Brandenburg, Herzog Wilhelm von
Jülich und Landgraf Philipp von Hessen.

Das dritte große Problem, dass es für August galt zu klären, war die Herstellung des Religionsfriedens im Reich. Durch die feierliche Erneuerung der Erbeinigung zwischen den Albertinern und den Ernestinern am 12. März 1555 zum Reichstag in Augsburg, der als Naumburger Abschied in die Geschichte einging, wurde die kursächsische Position wesentlich gestärkt, die im Verlauf und Resultat des Reichstages auf Grundlage des Passauer Vertrages zum Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1555 führte. So wurde erstmals reichsrechtlich auf Dauer das Nebeneinander von Katholiken und Protestanten der Augsburgischen Konfession unter Ausnahme aller anderen Bekenntnisse festgeschrieben. Die Untertanen mussten somit die Religion ihrer Obrigkeit annehmen oder sie nahmen das Recht der Auswanderung war. Rechtlich galt der Grundsatz: „cuius regio, eius religio – Wem das Land gehört, der bestimmt auch die Religion (1).

August machte die Annäherung  an Frankreich, die Moritz nach 1549 vorangetrieben hatte, und die er zur Stärkung der antispanischen Partei im Reich ausgebaut hatte, wieder rückgängig. Er verfolgte eine konsequente Hinwendung an das Haus Habsburg und an Dänemark, zu letzterem unterhielt er eine sehr enge und dauerhafte Verbindung. Durch diese Entscheidung entwickelte sich ein Konflikt, der in die sogenannten Grumbach’schen Händel mündete. Denn Herzog Franz von Lothringen aus dem Hause Guise war mit der Tochter des dänischen Königs Christian II. verheiratet und meldete nach dessen Tod 1559 Erbansprüche auf den dänischen Thron an, darüber hinaus war er mit den Ernestinern verbunden, so dass Lothringen die ernestinische Partei gegen Kursachsen unterstützte. Mit Beginn des „Markgräflerkrieges“ in Franken 1552 entstand eine enge Freundschaft zwischen Grumbach und Alcibiades. Beide mussten 1553 nach Frankreich fliehen, Grumbach versuchte aber bereits 1554, seine Forderungen gegenüber dem Bischof von Würzburg durchzusetzen. Da ihm dies misslang, kehrte er 1558 zurück, um den Bischof Melchior Zobel am 15. April zu überfallen, was zu dessen Tode führte. Nun begab er sich wieder nach Lothringen, wo er sich Johann Friedrich dem Mittleren anschloss und dessen erster Ratgeber wurde, um Pläne zur Rückholung der Kur für die Ernestiner zu entwickeln. Dieses Bündnis, angeführt von fränkischem Adel und französisch-lothringischer politischer Einflussnahme gegen Kaiser und Reich, wie auch das albertinische Kurfürstentum, verursachte eine große Gefahr, die vorerst gebannt wurde durch Ausbruch des ersten Religionskrieges 1562 in Frankreich.  Diesen Zeitraum nutzte August für eine aktivere Außenpolitik, die das Ziel verfolgte, gegen Frankreich eine politische Front zu errichten. Hierzu gehörte die Vermittlung eines englisch-dänischen Heiratsprojektes, wie auch die Eheanbahnung von Anna, Tochter seines Bruders, mit Graf Wilhelm von Oranien. Kurfürst August richtete 1561 das Beilager prachtvoll in Leipzig aus. Durch den Beistand Augusts für Kaiser Ferdinand zur Krönung dessen Sohnes Maximilian zum römischen König am 24. November 1562 konnte er mit großer Unterstützung des Kaisers rechnen. 

Diese äußerst schwierige Situation im Reich nutzend überfiel Grumbach mit seinen Gefolgsleuten am 04. Oktober 1563 das Bistum Würzburg, und beging mit diesem Akt Landfriedensbruch. Dies musste zwangsläufig von Kaiser Ferdinand durch ein Achtsmandat geahndet werden, dass am 13. Oktober erlassen wurde. Grumbach floh daraufhin zu den Ernestinern nach Weimar zu Herzog Johann Friedrich dem Mittleren. Da der Grimmenstein bei Gotha stärker als Weimar befestigt   war und sie sich gegenüber dem Reichsherr dort sicherer wähnten, zogen sie sich auf den Grimmenstein zurück. Durch die Weigerung der Ernestiner, die Auslieferung Grumbachs und seiner Gehilfen zu veranlassen, verfügte Kaiser Ferdinand zum Reichsdeputiertentag in Worms 1565, dass Kurfürst August die Reichsacht zu vollziehen habe. Als dann im Frühjahr 1566 die Planung eines Mordanschlages gegenüber Kurfürst August bekannt wurde, folgte auf dem Reichstag zu Augsburg die Forderung zum raschen Vollzug der Acht. Am 12. Dezember 1566 wurde dann die Acht auch noch über Johann Friedrich dem Mittleren verhängt.

Am 24. Dezember 1566 begann die Belagerung von Gotha, die August mit 5.489 Reiter und 31 Fähnlein Fußvolk (ca. 12.000 Mann) anführte. Den Aufruhr von Stadtbürgern und Söldnern am 04. April 1567 und die ausbleibenden Hilfeleistungen aus Frankreich, Schweden, den Niederlanden und der Reichsritterschaft zwang die Stadt Gotha (siehe Abbildung 3) wie auch die Festung Grimmenstein am 13. April 1567 zur Kapitulation Der erneute Vorstoß der Ernestiner, das Ergebnis der Mühlberger Kapitulation anzufechten, erzürnte Kurfürst August auf das Äußerste, so dass er gleich einen Tag später über Grumbach und seine Anhänger Gericht hielt, noch am gleichen Tag ließ er Grumbach und Kanzler Brück auf dem Markt von Gotha vierteilen, drei weitere Verurteilte köpfen und einen hängen. Herzog Johann Friedrich wurde bis zu seinem Tod 1595 in Wien gefangen gehalten (1). Seine Söhne, die ihn überlebt hatten, wurden unter der Vormundschaft Kurfürst Augusts erzogen (12).

Festung Gotha und Grimmenstein 1566, Holzschnitt 1572Festung Gotha und Grimmenstein 1566, Holzschnitt 1572„Schon am 15. April 1567  begann  entsprechend  der Anordnung Kaiser Maximilians II. unter  der Aufsicht einer kursächsischen Kriegskommission die Einebnung der Stadtwälle. Dieser folgte dann ab Juli 1567 die vollständige Niederlegung der Bauten von Schloss und Festung Grimmenstein mit der Zerstörung aller seit Baubeginn 1531 errichteten Objekte. Die Verantwortung für die Gesamtheit des Vorgehens trug Kurfürst August persönlich, während  er  mit  den praktischen Leistungen den ebenfalls anwesenden Paul Buchner beauftragte“ (6). Paul Buchner (1531-1607), der aus der Reichsstadt Nürnberg stammende, trat 1558 seinen Dienst in Dresden als Schraubenmacher und Schreiner an. Viele seiner Erfindungen dienten der Zerstörung –  so auch bei der Schleifung der Gothaer Festung durch Einsatz von Brechschrauben. (siehe auch KG 1/2018) (6). Sicherlich durch die Erfahrungen, die August im Schmalkaldischen Krieg sowie bei der Belagerung, Einnahme und Schleifung Gothas und dem Grimmenstein gemacht hatte, führten zu der Überlegung, die Festung Dresden, die zwar 1555 unter seiner Regentschaft fertiggestellt wurde, im nordwestlichen Bereich vor dem Schloss zu verstärken. So kam es ihm sehr gelegen, dass der friedliebende Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz für seinen kurz zuvor in seine Dienste getretenen Kriegsbaumeister Rochus Quirinus zu Linar keine befriedigenden Festungsbauaufgaben bieten konnte. Dieser Umstand veranlasste Kurfürst August, der in einem sehr freundschaftlichen Verhältnis zu Friedrich III. stand, ihn zu bitten, Linar 1569 in sächsische Dienste als Festungsbaumeister treten zu lassen. Das durch den Bergbau reiche Sachsen, und die Aussicht auf den Erweiterungsbau der Festung Dresden fachten den Ehrgeiz Linars an. Mit der Bestallung vom 29. August 1569 begann er sofort mit dem Neubau zweier Bastionen in „neu-italienischer Manier“ vor dem Schloss, die er weitestgehend 1572 fertigstellte (7). Wie sich im Wirken Linars in sächsischen Diensten später zeigte, war er für August auch in vielen wirtschaftlichen und industriellen Bereichen eine große Hilfe. 

Bei Übernahme der Regierung durch August wies die kurfürstliche Kasse eineinhalb Millionen Gulden an Schulden aus (Angabe Augusts aus dem Jahr 1563!). Unmittelbar nach seinem Tod konnte er seinem Sohn Christian I. zwei Millionen Gulden, dazu Rheinische Gulden, kursächsische Silbermünzen sowie eine Größere Menge an Goldmünzen unterschiedlicher Länderprägungen im Schloss hinterlassen. Dieses finanzielle Erbe war im beträchtlichen Maße auf die positive Entwicklung des erzgebirgischen Bergbaus sowie auf weitere Reformen in der Verhüttung und Landwirtschaft zurückzuführen. Dies frühzeitig erkennend, erließ Kurfürst August in den Jahren 1554, 1571 und 1575 Bergordnungen. Seine Bergordnung von 1571 wird von Graf Rochus zu Linar verfasst.  Dabei ist bemerkenswert, dass sein Festungsbaumeister zur Verbesserung der Verarbeitung des Eisens auch die vorhandenen Hütten reorganisierte, eine neue Münzkunst errichtete, in der er auch Münzen prägen lässt. Offensichtlich sind es die Erfahrungen, die Linar in den weit entwickelten norditalienischen Stadtstaaten und dem zentralisierten Frankreich gemacht hatte, die ihn veranlassten, sich als Reformer in Sachsen, dass zu jener Zeit wie ganz Deutschland einen geringeren Entwicklungsstand besaß, zu betätigen (8).

Durch den Erlass der neuen Bergordnungen wurde nicht nur der Bergbau gefördert, es wurden zeitweise Steuerhilfen für wenig ertragreiche Bergwerke, mehrfache Erhöhungen des Silberpreises, eine Reduzierung des Zehnten erlassen, das ausgebrachte Erz durch den Kurfürsten angekauft und in seinen eigenen Hütten weiterverarbeitet. Durch den Erwerb von Anteilsscheinen an Bergwerken sicherte er sich eine Beteiligung bzw. Übernahme von bergbaulichen Unternehmungen. Große Aufmerksamkeit widmete er dem Eisenerzbergbau und der weiteren Verbreitung und Entwicklung von Hammer-werken. In diesem Kontext setzte sich der Kurfürst für die ständige Vervollkommnung und Verbesserung der Schmelz- und Hüttenverfahren ein. Um direkten Einfluss hierauf nehmen zu können, ließ er neben dem Schloss ein Schmelzhaus 1554/55 errichten und holte Matthes Müller aus Annaberg als Schmelzer nach Dresden. Dr. Daniel Keller aus Augsburg, der vorgab Kenntnis über eine neuartige Schmelzkunst zu verfügen, wurde ebenfalls angestellt. Den Steinkohlenabbau in Zwickau privilegierte er und den Abbau in Potschappel, Döhlen und Burg finanzierte und betrieb er selbst. Auch die landwirtschaftliche Entwicklung inclusive dem Forst- und Jagdwesen galt Augusts Fürsorge, so erließ er mehrfach Holz- und Forstordnungen. Von großer Bedeutung war ihm die Schonung der Waldbestände für einen gesicherten Holzverbrauch zur Versorgung wichtiger volkswirtschaftlicher Bereiche. Um 1580 lässt der Kurfürst von Sachsen ein Kompendium des Ackerbaus und der Viehzucht verfassen, in dem er eigene Erfahrungen hat einfließen lassen (9). 

Da für die wirtschaftliche Nutzung der Forste und Jagdreviere eine Landesvermessung erforderlich war, benötigte er von seinen Landen genauere Landkarten. Zur Vermessung der kurfürstlichen Wälder beauftragte August den Leipziger Mathematiker und Universitätsprofessor Humelius. Die Wälder und Jagden in den Ämtern Weißenfels und Freyburg sowie den Stiften Zeitz, Naumburg und Merseburg wurden dann 10 Jahre später von Georg Oeder kartographiert. Aegidius Schmidt erhielt ein Jahr später den Auftrag, die kursächsischen Ämter kartographisch aufzunehmen.
Kurfürst August betrieb auch wissenschaftliche Studien, unter anderem auf dem Gebiet der Geometrie. Hierin ließ er sich von dem Mathematiker Tilemann Stella, den er 1576 aus Mecklenburg nach Dresden holte, unterrichten. Eine Erfindung regte ganz besonders sein Interesse an, die ein großes Aufsehen erregte, ein Instrument zum Zählen der Schritte, womit Entfernungen gemessen werden konnten. Dieses Gerät wurde dann durch den als guten Geometer geschätzten Professor Valentin Thau entwickelt, das er dann von dem Uhrmacher Anders in Torgau für den Kurfürsten fertigen ließ. Ein Schreiben von August führt hierzu aus: „daß wenn er der ersten Invention nicht mit allerlei Verbesserung geholfen hätte, er von der Erfindung wenig Nutzen hätte machen können, er habe es aber durch fleißiges Nachsinnen dermaßen bequemer gemacht, daß er dasselbe zu Wagen und Roß brauchen könne“ (3). Offensichtlich bestand das Instrument aus einem Uhrwerk, dass die Anzahl der Schritte durch Punkte auf einer Kugel notierte, und „100 Schritte ein Tüpflein“ ergab (siehe Abbildung 4). Ein solches Instrument “zu Wagen“ schenkte er dann 1583 Kaiser Rudolf II., denn die sächsischen Geometer standen damals in einem guten Ruf, die auch im Ausland sehr begehrt waren.

Wagenmesser von Christoph Trechsler, 1584Wagenmesser von Christoph Trechsler, 1584Die Uhrmacherkunst in Sachsen war nicht besonders entwickelt, so dass der Kurfürst 1557 einen Uhrmacher aus Heidelberg und 1558 „einen ledigen geschickten Uhrmachergesellen nach Dresden bestellte“. Die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens war für August von größter Bedeutung.  Im weitesten Sinne herrschte in Kursachsen Handelsfreiheit, insbesondere ausgehend von der Messe in Leipzig. Mit geringen Ausnahmen gab es Schutz- oder Prohibitivzölle, diese wurden entsprechend der geltenden Regeln für den Merkantilismus nur eingesetzt zur Stärkung der sächsischen Industrien (9).
Über die Interessen der Wirtschaft hinaus verfolgte er eine auf territorialen Zuwachs angelegte Politik. In den Stiftsgebieten der Bistümer Meißen, Merseburg und Naumburg/ Zeitz wurden die geistlichen Ämter von den weltlichen getrennt. Durch Einsetzen eines Administrators für die weltlichen Angelegenheiten, erlangte er die Verfügungsgewalt über die Stiftsgebiete,  die nach 1586 in  den kursächsischen  Staat  eingegliedert wurden. Durch Aufkauf privater Grundherrschaften bildete er neue Ämter, so 1559 Crottendoerf, Lauterstein und Stolpen, 1560 Dippoldiswalde, 1561 Lichtenwalde, 1564 Stollberg und Lausnitz, 1567 Rauenstein, 1580 Zabeltitz und 1585 Mutzschen. Durch seinen erfolgreichen Vollzug der Reichsacht 1567 gegen Wilhelm von Grumbach und Herzog Johann Friedrich den Mittleren mussten die Ernestiner als Reparationskosten die Ämter Weida, Ziegenrück, Arnshaugk und Sachsenburg als Pfandbesitz gemäß dem Weidaer Abschied vom 19. März 1571 den Albertinern überlassen. Da dieser Grundbesitz nicht eingelöst wurde, blieben diese Ämter dauerhaft bei Kursachsen, und wurden 1660 den Erblanden zugeordnet. Durch den Prager Vertrag von 1546 zwischen Herzog Moritz und König Ferdinand von Böhmen war das Vogtland böhmisches Lehen geworden, dass Ferdinand 1547 seinem Kanzler Heinrich IV von Plauen übertrug. Nach dem Tod Heinrich IV. 1554 wurde das Vogtland auf seine drei Söhne aufgeteilt, die durch Misswirtschaft in kurzer Zeit hohe Schulden anhäuften. Im Vertrag von Annaberg 1556 sicherte sich Kurfürst August als größter Gläubiger das Vorkaufsrecht am Vogtland zu. Heinrich VII. von Plauen trat am 13. Dezember 1559 dem Annaberger Vertrag bei und verpfändete ihm weitere Ämter: Voigtsberg, Plauen, Oelsnitz, Adorf, Neukirchen und Schöneich. Da der Pfandbetrag in Höhe von 60.000 Gulden nicht, wie vereinbart, bis Ostern 1562 zurückgezahlt wurde, verblieben diese Ämter bei Kursachsen. Nach dem Tod Heinrich VII. am 02. März 1573 erlosch die ältere Linie der Voigte von Plauen. 1575 gelang es August die von Kaiser Maximilian II. zugesagte Belehnung des Vogtlandes, dass damit bei Kursachsen blieb, zu erhalten (1).

Die Geistes- wie auch die Naturwissenschaften gewannen im aufblühenden Sachsen verstärkt Augusts Aufmerksamkeit und wurden von ihm gefördert. Mit vielen Gelehrten stand er im wissenschaftlichen Meinungsaustausch, die er auch ständig hinsichtlich der Erweiterung seiner Kunstkammer hinzuzog. Diese Kunstkammer, die er vermutlich um 1560 eingerichtet hatte, und die als zweitälteste nach der in Wien gilt, besaß zu dieser Zeit bereits ebenso wie die Hofbibliothek, die sich ursprünglich im Dresdener Schloss befand – heute die SLUB - europäischen Rang.

 

Augusts "Kunststücklein, Foto: O. KnollAugusts "Kunststücklein, Foto: O. KnollAuch kunsthandwerklich betätigte sich Kurfürst August, insbesondere beim Drechseln (siehe Abb. 5), das damals gern von „fürstlichen Händen“ betrieben wurde. Hierin hatte er es zu einer großen Fertigkeit gebracht und erfreute auch befreundete Fürsten sehr häufig mit selbst gefertigten „Kunststücklein“, wie zum Beispiel Waldpfeifen aus Serpentin. Die Werkzeuge, die er dabei benutzte stammen sehr wahrscheinlich von Leonhard Tanner, dem Schraubenmacher aus Nürnberg, der ihm die Instrumente auf Bestellung 1561 lieferte und die sich heute noch im Depot des historischen Museums im Dresdener Schloss befinden. 1576 schenkte ihm der Herzog Albrecht von Bayern eine Drehbank. Vom Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg erbat sich der Kurfürst große Stücke Bernstein, um sich auch an diesem Material versuchen zu können (3). Auf dem Gebiet der Architektur und des Bauwesens wurden die Bauten, die unter seinem Bruder begonnen wurden, beendet zugleich aber neue bauliche Anlagen größeren Umfangs begonnen und weitergeführt, so der Festungsbau in Dresden, das Residenzschloss, die Augustusburg von 1568 bis 1573, die Annaburg von 1571 bis 1581, die Lichtenburg von 1573 bis 1581 sowie das Zeughaus, der Stallhof, das Kanzleihaus und der Jägerhof in Dresden  sowie  die Schlösser Stolpen und Moritzburg. Hinzu kamen unzählige Bürgerhäuser, Rathäuser, Schlösser und Kirchen. Die daran mitwirkenden Baumeister und Architekten, wie der aus Nürnberg stammende Paul Buchner, der Festungsbaumeister Graf Rochus von Linar, Hans Irmisch als Architekt des Kanzleihauses und des Stallhofes in Dresden sowie des Schlosses Freudenstein in Freiberg, der Leipziger Bürgermeister Hieronymus Lotter als Erbauer des Leipziger Rathauses genießen heute noch einen so guten Ruf der weit über Deutschland hinausreicht. Die rege Bautätigkeit des Kurfürsten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war Ausdruck kurfürstlicher Repräsentanz entsprechend der politischen Stellung Sachsens im Deutschen Reich und in Europa (1)

Die sprichwörtliche Sparsamkeit Augusts kommt in einem Beispiel sehr deutlich zur Geltung: Im Dresdner Schloss hatte er eine Druckerei einrichten lassen, die auch Privatpersonen nutzen durften. Die für den Buchdruck erforderlichen Lettern wurden hierfür in einem geeigneten Gewölbe des Schlosses gegossen. Als der Schriftgießer 1576 zum Gießen neuer Lettern vier Zentner Zinn und vierundsechzig Taler verlangte, bemerkte Kurfürst August in seiner aufs „Kleinste eingehende Obsicht: es komme ihm etwas seltsam vor, daß er auf einmal vier Zentner Zinn zum Buchstabengießen brauchen solle, der Befehlshaber der Druckerei solle darauf Achtung haben, ob nicht die Alten Buchstaben umgegossen werden könnten“ (3).

Wenn der Kursächsischen Hof zahlreichen Besuch erwartete, so wurde die Residenzstadt aufgefordert, für ausreichende Lebensmittel zu sorgen und es wurden erforderliche polizeiliche Maßregelungen bzw. Verordnungen erlassen. So sandte am 08. Februar 1557 August ein Reskript an den Rat der Stadt mit folgendem Inhalt: „Lieben Getreuen. Nachdem euch unverborgen ist, daß viel Leute auf bevorstehende Fastnacht anhero kommen werden und aber auf dem Markt desgleichen anderen Plätzen, sowohl als in den Gassen, ein großer Wust Unflahts, welcher sich den Winter über gesammelt und des großen Frosts halber bis anhero nicht hat können weggeschafft werden, vorhanden, daß denn nicht allein ein großer Mißstand, sondern dadurch auch ein großer Stank in den Gassen und sonst verursacht   wird. So ist unser Befehl, ihr wollet die Vorsehung thun, daß  das in  den  Gassen, auf dem Markt und sonst allenthalben aufgehauen,  die Gassen  gereinigt und solches Eis und Anderes auf dem Bau an den Ort, den euch unser Zeugmeister Caspar Voigt zeigen wird, führen und schützen lassen und dafür sein, daß solches je eher je besser geschieht“ (3).

Etwa um 1570 kam August in den Besitz eines seltsamen Instrumentes, einer Brille, die wohl aus ganz einfachen Gläsern bestand, und ja, es waren große Schwierigkeiten zu überwinden und Kosten aufzubringen, um des Kurfürsten Wünsche erfüllen zu können. Allerdings besaß er früher schon einen „Nasenquetscher“, „eine große Prille oder Christallin“ (Augengläser, die damals in Gebrauch waren). Dieser diente zum Gebrauch in der Kirche und fand somit Platz in seiner Kurfürstlichen Betstube. Da er mit zunehmendem Alter immer mehr an Sehkraft verlor, benötigte er auch ein solches Hilfsmittel außerhalb der Kirche, vor allem für die Jagd. So beauftragte er seinen „Schraubenmacher“ Paul Buchner, er solle ihm „einen Ring ums Haupt mit einem Haken machen lassen, daß man die Brille daran hängen könne, und nicht auf die Nase setzen dürfe und zwar so, daß man den Haken, darein man die Brille hänge, entweder zudrücken oder mit einem Schräublein, wie sichs am füglichsten schicken werde, zuziehen könne, damit die Brille beständig vor dem Gesicht hänge“. Paul Buchner konnte auf Augusts Anweisung hin kein geeignetes Gestell fertigen und beauftragte damit einen Goldschmied, der mit Hilfe kleiner Ringe eine Brille fertigen sollte, die man vor die Augen tragen könne. Da weder auf dem Leipziger Markt, noch in Augsburg und Venedig das nötige Glas beschaffbar war, wandte man sich an die Königin von England, die aber nicht erfahren sollte, dass die Gläser für eine Brille Kurfürst Augusts geliefert werden sollten. Diese Gläser kamen aber offensichtlich erst 1583 in Sachsen an (3). 

August war es wichtig, für seine Kammergüter und alle anderen Ämter gute Beamte einzusetzen, um jährlich einen Überschuss zu erwirtschaften, denn nur so konnte ausreichend Geld in der Not vorhanden sein. Dies bedeutete für ihn: keine übermäßige Bausucht, kein maßloses Glücksspiel, kein „viehisches Saufen und Schwelgen“ sowie keine Verschwendung und kein Geiz. Am meisten beschäftigte sich August mit den kleinsten Problemen seiner landwirtschaftlichen Vorwerke, seiner Bergwerke, Hütten, Hammerwerke und dgl. Die Baumwollweberei entwickelte er durch Ansiedlung niederländischer Handwerker. 

In Kursachsen herrschte unter „Vater August“ musterhafte Einfachheit und Sparsamkeit. Er war kein großer Staatsmann, ihm fehlte auch die Verschlagenheit und der Drang in der Politik, die Initiative zu ergreifen wie sein Bruder. In der Reichs- und Religionspolitik führte er Sachsen in „jenen Zustand stumpfer Loyalität hinein“, der es den Brandenburgern in späterer Zeit leichtmachte, die Führung der protestantischen Länder im Deutschen Reich zu übernehmen und Kursachsen die Rolle eines mitteldeutschen Kleinstaates zuzuweisen. Zwar war sein Luthertum aufrecht und respektabel, es war aber ein Ausweichen, um „die eigene Passivität mit dem göttlichen Willen gleich zu setzen – was Gott nicht tat, brauchte auch von den Menschen nicht getan zu werden“ (10). In den ersten Jahren seiner Regierung hatte er die Richtung Melanchthons geteilt, aber seine Theologen forderten ein entschiedenes Vorgehen gegen die Calvinisten. Er vermutete sicherlich, dass die Verdammnis des Calvinismus hauptsächlich der katholischen Fraktion nutzte. Dann 1584 ging er unter dem Einfluss seiner Frau zum strengsten Luthertum über, erließ 1580 die „Formel dogmatischer Einheit“ -  das Konkordienbuch. So spaltete er die protestantische Bewegung. Inwieweit „Mutter Anna“, ihren Mann gedrängt hat gegen die Kryptocalvinisten vorzugehen, kann nur auf Grundlage des umfangreichen Briefverkehrs mit ihrer Tochter in der Pfalz vermutet werden. So war durch das Betreiben Augusts hin zum orthodoxen Luthertum die konfessionelle Einheit der Protestanten für alle Zeit dahin, sein Wirken verursachte die dunklen Wolken am Horizont, die sich dann 1618 zum 30jährigen Krieg entluden.

Augusts Schwäche in seiner Politik bestand im Wesentlichen darin, es sich mit keiner Partei vollständig zu verderben und dabei darauf hinzuwirken, dem gemeinsamen Gegner nicht direkt in die Hände zu arbeiten. Zwar versagte August in der großen Politik, entwickelte aber umso eifriger die wirt-schaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Entfaltung seines Landes. „Er will allein im Lande herrschen, aber das Wohl des Landes ist doch das Ziel. Der Kluge Fürst vergißt dabei nicht, daß das Wohl des Landes auch sein Wohl bedeutet und daß nur ein gut regiertes Land die hohen Erträge abwirft, deren der Fürst nicht entbehren kann“ (10). Dafür erhielt Kurfürst August von seinen Untertanen den Titel: Vater August. Ebenso wurde seine sehr wirtschaftlich veranlagte Frau als Mutter Anna bezeichnet. Sie wusch zu Hause eigenhändig die Wäsche ihres Gatten, mit eiserner Sparsamkeit sorgte sie für Hof und Küche. Ihrem Gemahl schenkte sie insgesamt fünfzehn Kinder, davon neun Prinzen und sechs Prinzessinnen. Nur vier Kinder überlebten ihre Eltern: Elisabeth, geboren am 18. Oktober 1552, die mit Johann Casimir von der Pfalz verheiratet war (gestorben am 02.  April 1590), Dorothea, geboren am 04. Oktober 1563, verheiratet mit Herzog Heinrich Julius von Braunschweig (gestorben am 13. Februar 1587), Anna, geboren am 16. November 1567, verheiratet mit Herzog Johann Casimir von Sachsen (gestorben 27. Januar 1613) und Christian I., geboren am 29. Januar 1560 (gestorben am 25. September 1591). 

Nach kurzer Krankheit verschied Anna sanft am 01.Oktober 1585 abends. Kurz vor Annas Tod soll als besonderes Wunderzeichen, so beschreibt es Dr. Peucer, sich ein heftiger Sturmwind erhoben haben, der einige Bäume und Häuser umgestürzt hätte (3).
Bereits am 03. Januar 1586 heiratete August noch einmal die 13jährige Tochter von Fürst Joachim Ernst zu Anhalt. Kurfürstlichen Gnaden war diese Ehe nur eine kurze Zeit beschieden, denn bereits am 11. Februar 1586 entschlief er im Residenzschloss, nachdem er durch einen Schlaganfall in Moritzburg bei der Jagd niedergestreckt nach Dresden gebracht wurde (11).

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